Stellungnahme
21.12.2025 | News | Pressespiegel

Nach der umfangreichen Berichterstattung der letzten Monate über den Fachkräftemangel im
Pflege- und Betreuungsbereich und den vermeintlich dazu nötigen zusätzlichen Ausbildungsschienen möchte ich als Führungskraft der Landesfachschule Hannah Arendt mit aller Deutlichkeit auf einige Tatsachen hinweisen:
1
Berufsbildende Schulen werden öffentlich finanziert, sie verfolgen das Ziel, so viel wie möglich Fachkräfte in den verschiedenen Sparten auszubilden und dabei eine hohe Qualität der Diplome zu gewährleisten. Die Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt hat in ihrem 43-jährigen Bestehen 8.954 Diplome des Sozialbereichs verliehen.
Öffentliche Bildung ist ein Grundpfeiler jeder demokratischen Gesellschaft.
Die zusätzlichen Ausbildungsschienen müssen über ESF-Gelder und über öffentliche Beiträge finanziert werden. Diese Ausbildungssysteme sind neu und privat errichtet worden, sie sind nicht akkreditiert und sie können keine Diplome vergeben.
Die in den lokalen Medien regelmäßig vorgebrachte These, wonach nur durch zusätzliche Ausbildungsschienen dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann, ist nicht haltbar.
2
Die Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt bildet seit ihrem Bestehen erwachsene Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger berufsbegleitend aus. Berufsbildende Schulen arbeiten mit den minderjährigen Studierenden ebenso wie in der Erwachsenbildung.
Um den Einrichtungen, den Studierenden und lernpsychologischen Erfordernissen bestmöglich gerecht zu werden, hat die Schule Vollzeit-, Teilzeit- und auch berufsbegleitende Organisationsformen entwickelt. Dies geschah in engem Austausch mit der Praxis.
Mit dem Kursmodell von Bildungshaus Lichtenburg/Stiftung St. Elisabeth und Verband der Seniorenwohnheime sind also berufsbegleitende, bzw. sogenannte duale Ausbildungen nicht neu geschaffen worden. Es handelt sich lediglich um eine andere Organisationsform, die auch von den Schulen umgesetzt werden kann.
Eine Anstellung als Pflegehelferin/Pflegehelfer oder Sozialbetreuer/Sozialbetreuerin in Ausbildung ist seit Einführung der Berufsbilder mit den Ausbildungen der Schule möglich und bereits umgesetzt.
3
Die Landesfachschulen für Sozialberufe können alle an einer Ausbildung im Sozialbereich Interessierten aufnehmen. Niemand wird abgewiesen, im Gegenteil: auch sehr kleine Klassen können gebildet werden. Der Bedarf kann vollständig gedeckt werden. Auch das Argument, viele der Interessierten würden sich nie an die Schule wenden, können wir nicht nachvollziehen:
- Über Schule kann seitens der politischen Verantwortlichen und der Sozialeinrichtungen
gleich motivierend gesprochen werden wie über die privat organisierten Kurse. - Die Mindestkompetenzen des Berufsbildes sind auf jeden Fall zu erreichen.
- Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf Stunden und Inhalte gelten für alle gleich.
4
Das Angebot der Schulen ist peripher. Seit Jahrzehnten führt die LFS Hannah Arendt die Sitze in Bozen, Meran und Brixen, seit nunmehr 6 Jahren auch Klassen in Schlanders und Bruneck, bzw. Dietenheim. Der Sitz in Schlanders musste aufgrund der mangelnden Einschreibungen in diesem Schuljahr aufgelassen werden.
5
Um die öffentliche Berufsbildung in Südtirol werden wir europaweit beneidet, die Lehrpersonen sind hoch qualifiziert, die Qualität der Diplome ist hoch.
Berufsbildende Schulen halten sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen und verfügen über die erforderlichen didaktischen und lernpsychologischen Kompetenzen. Dies wird regelmäßig extern evaluiert. An der LFS Hannah Arendt haben über 90% der Lehrpersonen einen gültigen Studientitel, die allermeisten auch die Lehrbefähigung.
Die Absolventen und Absolventinnen sind sowohl im Sozial- als auch im Gesundheitsbereich im In- und Ausland gleichermaßen geschätzt. Dies kommt den begleiteten Menschen zugute, den professionellen Fachkräften selbst und auch den sozialen Einrichtungen.
Der Rückgang der Einschreibungen durch die zusätzlichen Angebote führt dazu, dass Sitze geschlossen werden müssen und Klassen nicht gebildet werden können. Dies bringt Stellen von Lehrpersonen in Gefahr.
Im Namen der Schulgemeinschaft LFS Hannah Arendt ersuche ich die politisch Verantwortlichen, den Verband der Seniorenwohnheime, das Bildungshaus Lichtenburg/Stiftung St. Elisabeth und die Medien, obgenannte Aspekte zukünftig zu berücksichtigen.
Die Führungskraft der Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt
Ulrike Egger
Die deutsche Bildungsdirektion, die Landesdirektion deutschsprachige Berufsbildung und die Führungskräfte der Schulen der Berufsbildung erklären sich solidarisch und bekräftigen die in der Stellungnahme enthaltenen Aussagen.
Gustav Tschenett
Deutsche Bildungsdirektion
Peter Prieth
Landesdirektion deutschsprachige Berufsbildung
Isolde Moroder
Berufsbildungszentrum "Dipl. Ing. Luis Zuegg" Meran
Gertraud Aschbacher
Fachschule Dietenheim
Edit Meraner
Landesberufsschule Gutenberg
Monika Aondio
Fachschule Fürstenburg
Virginia Tanzer
Berufsbildungszentrum Schlanders
Paul Mair
Fachschule Laimburg
Edith Hochgruber
Berufsbildungszentrum Bruneck
Christine Maria Ladurner
Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern
Benjamin Flora
Berufsbildungszentrum „Emma Hellenstainer“ Brixen
Hartwig Gerstgrasser
Landeshotelfachschule Kaiserhof
Lukas Josef Spitaler
Landesberufsschule für Handwerk und Industrie Bozen
Martin Unterer
Fachschule für Ernährung und Hauswirtschaft Haslach, Tisens und Neumarkt
Marlene Kranbitter
Landeshotelfachschule Bruneck
Martin Rederlechner
Berufsbildungszentrum „Christian Josef Tschuggmall“ Brixen
Karl Telser
Landesberufsschule für das Gastgewerbe Savoy
